x

Presse Service

22.08.2018 - 22.12.2018
Heinrich Basedow d. J.
Der große Einzelgänger in der Malerei des 20. Jahrhunderts

 

Heinrich Basedow d. J.
Der große Einzelgänger in der Malerei des 20. Jahrhunderts

 

Heinrich Basedow d. J.

Der große Einzelgänger in der Malerei des 20. Jahrhunderts

„Ich habe immer nur das Schöne gemalt…“ 

Laufzeit: 2. September - 22. Dezember 2018


Pressegespräch: Donnerstag, 30. August, 11 Uhr


Eröffnung: Sonntag, 2. September 2018, 12 Uhr


Begrüßung: Brigitte Gerisch (Vorstand HGS)

 

Grußwort: Anders Petersen (Vorsitzender des BBK-SH)

 

Eröffnungsrede: Dr. Bärbel Manitz (Kunsthistorikerin)

 

Eintritt zur Eröffnung frei

 

 

Begleitprogramm

Kuratorenführungen mit Dr. Bärbel Manitz

Mittwoch, 19. September, 19.00 Uhr

Sonntag, 11. November, 12.00 Uhr

 

Heinrich Basedow d. J. im Interview

Performance mit Jan Malte Andresen

Sonntag, 14. Oktober, 12.00 Uhr

 

Jeden Sonntag um 12.00 Uhr Führung zur Ausstellung

 

Text von Dr. Bärbel Manitz, Kuratorin der Ausstellung

Er selbst hielt sich für einen der unbekanntesten Maler Europas. Doch waren seine Bilder so begehrt, dass sie von der Staffelei weg für hohe Preise gekauft wurden. Ein halbes Jahr und mehr mussten Interessenten auf die Vollendung eines Werks warten. In öffentlichen Sammlungen sind sie nicht präsent, mit Ausnahme des Potsdam Museums in seiner Heimatstadt. Die Retrospektive mit gut 50 Gemälden und zwei Dutzend Zeichnungen in der Herbert Gerisch-Stiftung Neumünster könnte Heinrich Basedows verborgenen Ruhm aus der Region nun in die weite Welt tragen. Es kommt schon einer Sensation gleich, dass so viele Bilder aus Privatbesitz zusammengeholt werden konnten! Dort werden sie gehütet wie in einem Tresor, der seit der letzten Ausstellung seiner Gemälde 1984 im Kieler Schloss nicht mehr geöffnet worden ist. Nur vier Leihgaben kommen aus Museumsbesitz. Das Publikum stößt hier auf eine Bildwelt, der es seit langem vollkommen entwöhnt ist: buchstäblich Tafelmalerei ausschließlich auf Holz in der alten Eitempera-Technik von  mittelalterlicher Qualität Jan van Eycks und Albrecht Dürers. Basedow malte Portraits, Figurenbilder, Landschaften, dabei gern romantische Naturausschnitte aus dem deutschen Wald mit Eule, Kauz und Rabe - in fester Form, leuchtenden Farben, von absoluter Schönheit und manches Mal mit symbolhaft-religiösem Einschlag.

 

Aus der Moderne der Neuen Sachlichkeit der 1920er Jahre kommend, entwickelte Heinrich Basedow  seine restituierenden Werte der Malerei zu einer höchst individuellen, akribischen Symbiose aus altdeutsch, neusachlich und jugendstiligem Ornament. Sein Stil restituiert Werte, die durch zwei Weltkriege verloren gingen. Seine Bilder locken mit einer wunderbaren, ja magischen Welt aus Natur und Phantasie. Sie sind zumeist eine Hommage an die Schönheit der Schöpfung und erstarren in Zeitlosigkeit. Statt flüchtigem Illusionismus pflegen sie den Kult der Schönheit für die regungslose Ewigkeit.  In seinem konservativen Konzept für Malerei erklärte Heinrich Basedow markig den großen  Rembrandt zu seinem Erzfeind, der Tor und Tür für die „Schmierereien" des Impressionismus geöffnet habe. Sein eigener Vater Heinrich Basedow d. Ä., der das außerordentliche Talent seines Sohnes kräftig förderte, hatte allerdings als Maler impressionistischer Bilder sein Publikum begeistert.

 

Am Neujahrstage 1896 geboren, aufgewachsen in großbürgerlichen Verhältnissen der Residenzstadt Potsdam und vom Vater vorgeprägt, begann er 1915 das Kunststudium an der Weimarer Akademie, das indessen vom Kriegsdienst in der Marine 1916 unterbrochen wurde. 1919 folgten ein kurzes, aber folgenloses Gastspiel am „Bauhaus", eine handwerkliche Holzbildhauerlehre und 1922 ein paar Semester  Geschichte und Religion an der Berliner Universität, bis er sich 1925 als freischaffender Maler in Potsdam etablierte.  Aus Max Doerners 1921 frisch erschienenem Handbuch und dem Studium der alten Meister in Berliner Museen eignete er sich alte Maltechniken an und hatte damit beachtlichen Erfolg als Portraitist und Landschafter. 1939 wurde er als Marineoffizier zum Kriegsdienst in Kiel abkommandiert und befehligte die Marineflakabteilung Eckernförde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Verlust des Potsdamer Hab und Guts inklusive vieler Frühwerke gelang ihm der Neustart als „Bildermaler"  in Kiel. Mit seinen exzeptionellen Gemälden gewann er vor allem in akademischen Kreisen viele Freunde. Asketisch wie Diogenes lebte er in seiner Dachgeschosswohnung in Elmschenhagen-Kroog, sein einziger Luxus war seine wertvolle Antiquitätensammlung altdeutschen Hausrats, mittelalterlicher Plastiken und Holztruhen. Altdeutsch sein Denken und altdeutsch sein Ambiente - an diesem Ideal hielt er sein Leben lang fest. Er wurde 98 Jahre alt. Hochgeschätzt, obwohl er wegen seiner NS-Vergangenheit auf den Kieler Kulturpreis 1978 verzichtete, blieb er der interessante Sonderling, der Einzelgänger und künstlerisch der große Unzeitgemäße wie ein Fels in der Brandung der nach allen Richtungen expandierenden Kunst. Und er ging barfuß durchs Leben.

 

Die Ausstellung und der Katalog wurden ermöglicht durch die Unterstützung der WOBAU, des McArthur Glen Designer Outlet Neumünster, der BIG Verwaltung GmbH, der Holstenhallen Neumünster GmbH und dem Verein zur Förderung der Kunst.

 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog:

 

»Ich habe immer nur das Schöne gemalt.«: Heinrich Basedow d. J. Der große Einzelgänger in der Malerei des 20. Jahrhunderts, Wachholtz 2018, 177 Seiten, ISBN-10: 3529052078, Preis: 28 Euro.