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05.05.2019 - 18.08.2019
AGO EGI ACTUM
Ausstellung zum 85. Geburtstag des Bildhauers Manfred Sihle-Wissel
  • Foto: Achim Banck
  • Foto: Achim Banck
  • Foto: Kerstin Thomsen
  • Foto: Achim Banck
  • Foto: Achim Banck
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  • Foto: Kerstin Thomsen

Eröffnung am Sonntag, 5. Mai um 12 Uhr

 

Grußwort: Brigitte Gerisch, Vorstand HGS

Manfred Sihle-Wissel im Gespräch mit dem Kunsthistoriker Dr. Thomas Gädeke

 

Der Bildhauer Manfred Sihle-Wissel arbeitet mit einem direkten und schnörkellosen Zugriff, seine Formenwelt ist der Klarheit der Formen und des Aufbaus verpflichtet. Skulpturen und Plastiken in Holz und Bronze, Reliefs und Collagen, Zeichnungen und Aquarelle tragen die gleiche Handschrift. Selbst wenn ein bildhauerisches Thema einmal „gegenständlich“, das andere Mal „ungegenständlich“ bearbeitet wird, ist zu spüren, dass beide Werke aus einer Hand sind.

Kraftvoll und aufrecht ragen seine Bildwerke hoch. Immer setzen sie sich mit dem Raum auseinander, sie nehmen ihn auf und sie widerstehen ihm. Sie stehen (auch im übertragenen Sinn) gegründet. Seine Arbeiten zeigen das Erlebnis und die Wirkung von Architekturen und Landschaften, antiker Trümmerfelder und zyklopischer Felsformationen. Solche Plätze hat Sihle-Wissel auf seinen zahlreichen Reisen, vornehmlich aber nach Anatolien, immer wieder aufgesucht. Sie waren ihm in ihrem Sein nachhaltige Anregung, immer wieder der Anstoß zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen.

Das Grundthema seiner Kunst aber bleibt der Mensch und seine Haltung, dessen Darstellung in vielen Bronzen und allen Holzarbeiten Sihle-Wissels enthalten ist. Das lebendige Material eines alten Stamms in seinem ungeraden Wachstum und seinen Verwerfungen, seinem sehr eigenen Charakter eben, hat Sihle-Wissel zu diesen oft lapidar „Figur“ genannten Skulpturen gebracht: FIGURA als solche.

Einen eigenen Sektor seines Schaffens nehmen die Portraits ein. Sie sind dem Bildhauer nach eigener Aussage eine viele Anspannungen lösende Lust am Sich-Einfühlen in individuelle Formen. Aber das Auffinden von Formen, die ja vor den Augen liegen, ist etwas Leichtes gegen das Erfinden eines neuen, noch nicht vorhandenen Gebildes eigener Ausprägung. Das ist die Absicht des Bildhauers.

Die Ausstellung zeigt über 200 Werke aus 6 Jahrzehnten in der Villa Wachholtz, der Gerisch-Galerie und in der Parkanlage.

 

In eigener Sache*

Der erste Impetus zu meinen Arbeiten ist die seit den Kindertagen andauernde Faszination, selber mit den Händen etwas zu tun, unter den Händen etwas wachsen und entstehen zu sehen, zu fühlen, wie sich eigene Gedanken materialisieren und in diesem Spannungsverhältnis – zwischen Eingebung und Wagnis schwebend – die Welt um mich herum zu vergessen. Und oft zeigt es sich, dass die Hand dabei weiser ist als das Wollen, dass sich etwas anderes zusammenfügt als das Beabsichtigte.

Alte Kulturen bewegen mich, die Morgenröte der Bildhauerei mit ihren unnahbar fernen und mich doch so berührenden Wunderwerken, die einsamen Weiten Anatoliens oder der Libyschen Wüste, Landschaften mit erratisch aufragenden Relikten ehemals menschlicher Präsenz, die der elementaren Kraft der Natur irgendwann unterliegen mussten.

Und mich fesselt der Mensch, sein Antlitz, der Ausdruck seiner Möglichkeiten und auch die Schrammen in seiner Existenz, die Vielfalt und der Reichtum seines Körpers in der Bewegung und in der Ruhe, seine strahlende Jugend und sein Nachlassen. Meine innere Vorstellung eines Menschen zeichnet ihn fest stehend, einem Baum gleich aus dem Boden wachsend, sich nach allen Seiten hin frei entwickelnd, von einem inneren Kern nach außen. Dies Bild von ihm, manchmal in der Darstellung nahe dem Abbildhaften, oft aber allein als

Metapher seiner möglichen Freiheit und aufrechten Haltung, ist vielen meiner Skulpturen eigen.

Sie stehen für mich im Widerstand gegen den Lärm der Zeit und das Vergehen, Zeichen des Überdauerns.

Kunst ist die Verwandlung von Materie in eine andere Sphäre, in etwas, das vorher nicht sichtbar war.

 

*Text von Manfred Sihle-Wissel

 

Vita

Manfred Sihle-Wissel wurde 1934 in Tallinn, Estland, geboren.

Nach der „Umsiedlung“ ins Wartheland 1939 und der Flucht nach Hamburg 1945 studierte er dort 1954 bis 1959 an der Hochschule für Bildende Künste. Seine Lehrer waren Edwin Scharff und Hans Martin Ruwoldt.

1972 ehrte ihn die Freie und Hansestadt Hamburg mit dem Edwin-Scharff-Preis.

1987 wurde er mit dem Kunstpreis der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft ausgezeichnet.

2003 Johannes-Brahms-Preis.

Seit 1975 Mitglied der Freien Akademie der Künste zu Hamburg.

Seit 1981 Wohnsitz und Atelier in Brammer bei Rendsburg.

 

 

Rahmenprogramm:

 

Am 29. Juni um 15 Uhr: Der Bildhauer in Aktion in der Gerisch-Galerie

 „Kopfjägermeister“ (Zitat Günter Kunert) Manfred Sihle-Wissel porträtiert den Kieler Kammersänger Jörg Sabrowski und die Besucher können ihm dabei über die Schulter blicken.

 

Kuratorenführungen:

Sonntag , 25. Mai(Kult(o)urnacht) um 18:30 Uhr

Sonntag, 23. Juni um 12 Uhr

Sonntag, 7. Juli um 12 Uhr

 

Regelmäßige Sonntagsführungen jeweils um 12 Uhr